An moderne Logistiksysteme werden komplexe Anforderungen gestellt. Bei sinkenden Sendungs- Größen und steigender Anzahl von Lieferanten und Abnehmern werden sehr hohe Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Abfahrts- und Ankunftszeiten erwartet. Beidem kann durch die traditionelle Binnenschifffahrt nicht ausreichend entsprochen werden.
Eine Lösung bieten hiezu neue Angebotsformen wie intermodale Liniendienste. Die Güterschiffe eines Liniendienstes laufen, ähnlich den Fahrgastschiffen, nach einem fixen Fahrplan bestimmte Häfen an, in denen die Ladung auf LKW oder Bahn für den Weitertransport umgeladen wird. Die Gestaltung der Schiffe und die Möglichkeit von Schiffsverbänden erlauben übrigens den gleichzeitigen Transport verschiedenster Güter (Behälter oder Ro/Ro-Güter) und helfen so, Unpaarigkeiten der befahrenen Relationen auszugleichen.
Eine Transportkette mit dem Binnenschiff im Hauptlauf braucht mindestens zwei Umschläge (im Lade- und Löschhafen) sowie den Vor- und Nachlauf zu bzw. von den Umschlagsstellen. Die „erste Meile“ vom Versender zum Lade-Hafen bzw. die „letzte Meile“ vom Lösch-Hafen zum Empfänger wird je nach infrastrukturellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten mit dem Lkw oder der Bahn durchgeführt.
Liniendienste auf der Wasserstraße bieten ihren Kunden wesentliche Vorteile:
Die viel besprochenen „nautischen Behinderungen“ gliedern sich in:
Das Eintreffen des fahrplanmäßigen Verkehrsmittels ist also unmaßgeblich, entscheidend ist das Eintreffen der Sendung!
Das deutsche Unternehmen Gebrüder Väth Reederei und Hafenbetriebe KG aus Würzburg etablierte in der ersten Jahreshälfte 2004 den Liniendienst zwischen Nürnberg (Deutschland) und Ruse (Bulgarien), der von zwei baugleichen Schiffen eines völlig neuen Typs bedient wird. Angeboten werden wöchentliche Abfahrten mit Aufenthalten in Kelheim, Straubing, Linz bzw. Enns-Ennsdorf, Belgrad, Turnu Severin, Giurgiu und Ruse.
Der bei diesem Liniendienst eingesetzte Schiffstyp ist in der Lage, Gefahrgüter und Gefahrgut- Container sowie Kühlcontainer zu befördern. Im Schiffsraum können Container und Wechselaufbauten oder Schüttguter in geschlossenen Partien ab 250 t mitgenommen werden. Für höchstmögliche Flexibilität sind die Schiffe mit einem tragenden Lukendach für die Aufnahme von bis zu 900 t Deckladung ausgerüstet. Diese kann aus Wechselaufbauten oder Containern bestehen, aber auch aus Stückgutpartien ab 20 t, Schwergut bis 9 m Breite und 80 m Länge sowie anderen Geräten und Maschinen. Der Liniendienst steht jedenfalls eine preisgünstige und sichere Alternative zum Landtransport dar.
Die Internationale Spedition Willi Betz GmbH & Co. KG aus Reutlingen unterhält mit ihren vier eigenen Katamaranen sowie zwei RoRo-Leichtern zwischen Passau in Deutschland und Vidin in Bulgarien einen Liniendienst für selbst rollende Ladung wie Sattelauflieger, Zugmaschinen und sonstige Fahrzeuge. Aufenthalte in den Häfen können je nach Ladungs- Aufkommen vereinbart werden, Abfahrten erfolgen teilweise mehrmals wöchentlich. Der Liniendienst von Willi Betz stellt somit eine „schwimmende Landstraße" dar. Damit wird ermöglicht, die teilweise sehr schlecht erhaltenen Fernverkehrsstraßen in Südosteuropa zu umgehen und somit die Transportsicherheit erheblich zu steigern.
Europas modernste Wasserstraßen- gesellschaft – Aufgaben, Ziele und Projekte
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